Tauben fliegen auf

Es ist ein schokoladenbrauner Chevrolet mit Schweizer Kennzeichen, mit dem sie zur allgemeinen Überraschung ins Dorf einfahren und die Dorfstrasse ist wirklich nicht gemacht für einen solchen Wagen. Sie, das ist die Familie Kocsis, und das Dorf liegt in der Vojvodina im Norden Serbiens. Die Familie lebt zwar in der Schweiz, aber zu ihrer Heimat ist sie nicht geworden. Ein Roman über ein seltsames Europa, das einander nicht wahrnehmen will.

Laudatio von Martin Ebel

 

Notizen und Details 1964 ─ 2007

Sechs Jahrzehnte Zeitgeschichte umfassen die «Notizen und Details». Pointiert formulierte Hinweise, Porträts, Aphorismen, Polemiken zu Literatur, Theologie und Kirche sowie zu Vorgängen in Politik und Gesellschaft. Sie dokumentieren auf einzigartige literarische Weise ein Stück bewegter Geschichte eines engagierten, Widerspruch provozierenden Beobachters der näheren und weiteren Welt.

Laudatio von Manfred Papst

 

Der Goalie bin ig

Der «Goalie», ein Süchtiger aus einem Dorf im Mittelland, hält Rückschau. Er erzählt in Umgangssprache von seiner Lebenswelt in den 80er-Jahren. Seine Sicht auf die Umgebung ist getrübt vom Wunsch, sein bisheriges Leben schönzureden. Nach einer Gefängnisstrafe versucht er wieder im Alltag Fuss zu fassen, findet eine Gelegenheitsarbeit, verliebt sich in eine Serviererin und reist mit der Angebeteten nach Spanien. Trotzdem holen ihn die alten Geschichten immer wieder ein.

Laudatio von Hans Ulrich Probst

 

 

Paarbildung

Eigentlich ist Andreas Lüscher Unfallpsychologe. Seit er jedoch eine Stelle als Gesprächstherapeut in der onkologischen Abteilung eines Krankenhauses angetreten hat, bestimmen Vokabeln aus der Krebstherapie seinen Arbeitsalltag: Dosisfraktion, Rezidivrisiko, Paarbildung. Ihn, der lieber beobachtet als mittendrin steht, der lieber Distanz wahrt, als
zu nahe zu kommen, fasziniert das Verhältnis zwischen Patient und Arzt, die Bedeutung von Kommunikation, von Worten.

Laudatio von Sandra Leis

 

Einladung an die Waghalsigen

Margarete und Fritzi sind die übrig gebliebene Jugend einer verschwindenden Stadt. Ihr Erbe ist nichts als ein verlassenes Gebiet, in dem Verwüstung herrscht. Frühere Ereignisse sind nur bruchstückhaft überliefert. Doch die beiden Schwestern wollen diesen Zustand nicht hinnehmen. Entschlossen brechen sie auf zu einer Expedition, um ihre eigene Herkunft zu erforschen. Denn nur wer seine Geschichte kennt, kann sich eine hoffnungsvolle Zukunft aufbauen.

Laudatio von Martin Zingg

 

Jacob beschliesst zu lieben

Die abenteuerliche Lebensgeschichte des Jacob Obertin weitet sich zu einem Familienepos, in dem temporeich und in dichten, fantastischen Bildern das Schicksal seiner Familie über 300 Jahre hinweg – beginnend mit dem 30jährigen Krieg in Lothringen – erzählt wird. Die Geschichte der Familie ist mit der wechselhaften Geschichte Europas eng verwoben und beschreibt eine Welt, die in dieser ganzen Zeit nicht zur Ruhe gekommen ist.

Laudatio von Thomas Strässle

 

Seerücken

Sonja ist schön und erfolgreich. Alexander müsste mit ihr – von aussen betrachtet – glücklich sein. Ohne etwas vorwegzunehmen: Er ist es nicht. Jedenfalls hat er eine Geliebte. Die Erzählungen spüren in lakonischen Sätzen kaum spürbare Eruptionen auf, die sich im Rückblick als Erdbeben erweisen. Die Einsamkeit im gemeinsamen Urlaub. Ein verlassenes Hotel in den Bergen. Ein Mädchen im Wald. Ein Pfarrer, der die Vögel füttert. Die erste Liebe mit Gewicht.

Laudatio von Andreas Isenschmied

 

Gerron

Kurt Gerron war einmal ein Star und ist jetzt nur noch ein Häftling unter Tausenden. Der Nationalsozialismus hat den Schauspieler von den Berliner Filmateliers ins Ghetto von Theresienstadt getrieben, wo er ein letztes Mal seine Fähigkeiten beweisen soll. Als er den Auftrag bekommt, einen Film zu drehen, steht er vor einer Gewissensentscheidung, bei der sein Leben auf dem Spiel steht. In dieser Lage lässt er sein Leben noch einmal Revue passieren.

Laudatio von Alexandra Kedves

 

Alias

Was fängt man mit der Hinterlassenschaft eines verstorbenen Freundes an? Die suchende und tastende Lebensbeschreibung einer ein halbes Jahrhundert durchmessenden Existenz ist gezeichnet von Verwerfungen und Brüchen, voller Turbulenzen, unsäglicher Leiden und unvergleichlicher Glücksmomente. Das Buch ist ein Spiel zwischen Fiktion und Wirklichkeit, das die Einbildungskraft der Leserinnen und Leser auf den Prüfstand stellt.

Laudatio von Christine Lötscher

 

 

 

Grünschnabel

Ein Waisenmädchen leidet unter der Spracharmut im Heim, bis es in einer Adoptivfamilie beginnt, sich seine eigene Sprachwelt zu schaffen. Es sammelt Begriffe, ordnet diese in Wortschachteln, findet und erfindet Zusammenhänge und Bedeutungen. Ein ungewöhnlicher Bilderreichtum und eine eigenwillige Erzählweise kennzeichnen die Entwicklungsgeschichte. Monica Cantieni macht in «Grünschnabel» die zentrale Bedeutung der Sprache für den Aufbau individueller Identität deutlich.

Laudatio von Hans Ulrich Probst

 

Immeer

Am Anfang und am Ende steht das Meer, der Sehnsuchtsort von Eva und Jan, ihrem Geliebten, der tot ist. Eva erzählt von der früheren Dreier-WG, von Monn, den sie kennenlernt, weil er Jans Handy-Nummer übernommen hat. Und sie erzählt vom Schmerz, als Jan krank war und starb, und wie sie sich verschanzt in der Wohnung, die sie an früher erinnert.

Laudatio von Franziska Hirsbrunner

 

Frühling der Barbaren

Der Schweizer Fabrikerbe Preising wird auf einer Geschäftsreise in einem gehobenen tunesischen Oasenresort Zeuge aufwendiger Hochzeitsvorbereitungen. Junge Engländer aus der Londoner Finanzwelt feiern ausschweifend, als das Undenkbare geschieht: Das britische Pfund stürzt ab, England ist bankrott. In der traditionellen Form der Novelle zielt Lüscher ins Herz der Gegenwart.

Laudatio von Thomas Strässle

 

Niedergang

Ein junges Paar bricht zu einer Tour in die Schweizer Berge auf. André will Louise aus Berlin die Schönheit dieser Welt vermitteln. Aber es läuft nicht wie geplant, Nebel und Regen erschweren den Aufstieg. Vor der letzten Herausforderung verlässt sie ihren Freund. Doch sich am Berg zu messen und den Gipfel zu bezwingen, wird ihm zur fixen Idee.

Laudatio von Christine Lötscher

 

Soutines letzte Fahrt

Chaim Soutine, der jüdische Maler und Zeitgenosse von Chagall, Modigliani und Picasso, wird am 6. August 1943, versteckt in einem Leichenwagen, von der Stadt Chinon an der Loire ins besetzte Paris gebracht. Er ringt mit dem Tod. Halb historisch, halb fiktiv erzählt der Roman von Soutines Kindheit in Weissrussland, seinem Traum von Paris und führt dabei tief in die Welt seiner einzigartigen Farben.

Laudatio von Andreas Nentwich

 

Carambole

Jugendliche, die zu Beginn der Sommerferien Pläne schmieden und eigentlich schon wissen, dass nichts passieren wird. Zwei Brüder, die wegen eines Erbschaftsstreits seit Jahren nicht mehr miteinander sprechen. Eine Troika, die sich regelmässig zum Carambole-Spiel trifft. In zwölf Runden, in immer neuen Tonlagen entwirft Jens Steiner einen dörflichen Kosmos zwischen Erstarrung und Aufbruch.

Laudatio von Alexandra Kedves

 

Das Kalb vor der Gotthardpost

Peter von Matt liebt die Schweiz, ein Land zwischen Idylle und Globalisierung, zwischen alpiner Tradition und Hightech-Tunnel. Reich an Bildern und Weisheit, mit Witz und kämpferischer Vehemenz erhellt er die Seelenlage der Nation, wirft er aber auch einen kritischen Blick auf die Gesellschaft. Dieses Buch führt uns vor Augen, dass und warum die Beschäftigung mit Literatur mitten ins Herz des Bewusstseins eines jeden Staatsbürgers trifft.

Laudatio von Andreas Isenschmid

 

Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse

Der junge orthodoxe Jude Mordechai Wolkenbruch, kurz Motti, hat ein Problem: Die Frauen, die ihm seine ‹mame› als Heiratskandidatinnen vorsetzt, sehen alle so aus wie sie. Ganz im Gegensatz zu Laura, doch die ist leider eine ‹schikse›: Sie trägt Hosen, hat einen hübschen ‹tuches›, trinkt Gin Tonic und benutzt ungehörige Ausdrücke. Mottis Gehorsam gegenüber der ‹mame› schwindet. Und Motti kann schon bald einen Schluss ziehen: Auch ‹schiksn› haben nicht alle Tassen im Schrank.

Laudatio von Thomas Strässle

 

Aus den Fugen

Mitten im Konzert bricht der Starpianist Marek Olsberg abrupt sein Spiel ab. Mit den Worten «Das war’s dann» schliesst er den Klavierdeckel und verlässt den Saal. Olsbergs Tat wird allerdings nicht nur sein Leben in neue Bahnen lenken. In diesem Roman entfaltet sich auf engstem Raum eine Fülle menschlicher Schicksale mit all ihren Wendungen, Eingebungen und Zufällen.

Laudatio von Hans Ulrich Probst

 

Panischer Frühling

Auf ihren Erkundungsspaziergängen durch das frühlingshafte London lernt die Erzählerin den jungen Jonathan kennen. Er hat ein Feuermal im Gesicht und verkauft eine Obdachlosenzeitung. Die Begegnungen rufen in beiden starke Bilder aus der Kindheit wach – aus einem Fischerdorf in Südengland und einem bürgerlichen Umfeld in der Innerschweiz. So verschieden sie sind, schaffen sie doch eine überraschende Vertrautheit. Bis Jonathan plötzlich verschwindet.

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Ausser sich

Sommer in Berlin. Eigentlich wären Katja und Sebastian viel lieber im Bett geblieben an diesem Samstagmorgen. Aber das Wochenende ist verplant. Während der Fahrt zu Freunden erleidet Sebastian einen Schlaganfall. Bald wird klar, dass er schwer geistig behindert bleiben wird. Katja hofft zunächst, Sebastian mit ihrer Liebe zurück ins Leben holen zu können. Aber erkennt er sie überhaupt noch? Wo sind die Bilder der Erinnerung, Wünsche und Träume? Ist das noch Sebastian?

Laudatio von Christine Lötscher

 

Unger üs

Momentaufnahmen eines Familienlebens und fünfzig Jahre Schweizer Geschichte verwebt Krneta zu einem doppelbödigen Gesellschaftsroman. «Unger üs» sagt der Grossvater, wenn er noch glaubt, er könne die Familie vereinen. Gekonnt lässt Krneta den Boden unter den Füssen der Figuren unsicher werden. Seine Mundart suggeriert Gemütlichkeit und Vertrautheit und entpuppt sich nicht selten als abgründig.

Laudatio von Susanna Petrin

 

Vielen Dank für das Leben

Toto ist ein Waisenkind ohne klares Geschlecht. Zu dick, zu gross. Der Vater schon vor der Geburt abgehauen, die Mutter bald danach. Im kalten Sommer 1966 geboren, wandelt er durch eine kaputte Welt und fragt sich, warum die Menschen dieses Leben noch schrecklicher machen, als es schon ist. Und doch bleibt Toto wie unberührt, als ob es alles noch gäbe: Güte, Unschuld, Liebe, Zärtlichkeit.

Laudatio von Alexandra Kedves

 

Nach Hause schwimmen

Wilbur ist kein Glückskind. Ohne Eltern bei der Grossmutter aufgewachsen, die verstirbt und mit einem besten Freund, der in einer Erziehungsanstalt lebt, bleibt Wilbur ein Verlierer. Erst die charmante Aimee bringt ihm etwas anderes bei. Wilbur muss endlich lernen zu leben – ob er will oder nicht.

Laudatio von Hans Ulrich Probst

 

Hundert Tage

Lukas Bärfuss erzählt in «Hundert Tage» die Geschichte eines moralischen Irrtums, der in Ru­anda eines der grössten Verbrechen des Jahrhunderts ermöglichte. Ein dunkles Kapitel aus Afrikas Geschichte, in das wir tiefer verstrickt sind, als wir glauben wollen. Der Roman zweier Menschen, die im Chaos ihrer Zeit um ihre Unschuld kämpfen.